Zukunftsgespräch im Hessischen Landtag

Der HAB-Vorstand als Gast bei Staatssekretär Dr. Lösel in Wiesbaden

Am 20. Mai 2014 führten der Sprecher der CDU-Fraktion für berufliche Bildung Hugo Klein MdL, Staatssekretär Dr. Manuel Lösel mit der Vorsitzenden der HAB Helga Rothenberger und dem Vorstandsmitglied Paul Eisel ein Gespräch unter dem Leitthema: „Zukunft der Fachlehrer/-innen im Bereich Wirtschaft und Verwaltung in den beruflichen Schulen“.

Die Vertreter der HAB berichten den Politikern über die aktuelle Entwicklung in den Schulen. Es werden weniger Fachlehrer/-innen von den Schulen nachgefragt, so dass weniger Stellen für den Vorbereitungsdienst ausgeschrieben werden. Bereits ausgebildete Lehrkräfte finden derzeit kaum noch Anstellung. Diese Tatsache schreckt vermutlich potentielle Interessenten von der Ausbildung bei der HAB ab. Sie scheuen wahrscheinlich die Anstrengung der rund vier Jahre dauernden Ausbildung – zunächst zur Vorbereitung auf die beiden staatlichen Prüfungen „Lehrer/-in für Bürowirtschaft und Informationsverarbeitung“ und danach den Vorbereitungsdienst in einer Schule und dem Studienseminar.

Das hat zur Folge, dass die Anmeldezahlen bei dem einzigen Anbieter in Hessen zur Vorbereitung auf die staatlichen Lehrerprüfungen – der seit 50 Jahren bestehenden Hessischen Akademie für Bürowirtschaft e. V. (HAB) – seit einigen Jahren rückläufig sind. Von bisher jährlich 120 bis 150 Absolventen der Prüfungen an den Standorten Dreieich-Sprendlingen, Darmstadt und Kassel bereiten sich in diesem Jahr noch knapp 30 Lehrgangsteilnehmer auf die externe Prüfung des Landesschulamtes vor.

Um diesem Trend entgegen zu wirken, ist es wichtig, den Interessenten die politische Determinierung der Kultusbürokratie zu den Lernbereichen „Infor-mationsverarbeitung und Bürowirtschaft“ näher zu bringen.

Die Landespolitiker loben im Gespräch mit den HAB-Vertretern die hervorragende Arbeit der Fachlehrer/-innen in den beruflichen Schulen. Es ist beiden auch wichtig, dass die Praxiserfahrungen in den beruflichen Schulen erhalten bleiben können. Sie betonen pointiert die Bedeutung der Lerninhalte als wertvolle Kulturtechniken und Basiskenntnisse für die meisten Berufe. Gleichzeitig weisen sie aber auf den bestehenden Lehrerüberhang durch die Einführung von G8 in den Gymnasien, das Wegbrechen von Vollzeitschulformen in den beruflichen Schulen und den demografischen Wandel hin. Die freigesetzten Lehrkräfte hätten bei der Beschäftigung Vorrang vor Neueinstellungen. Deshalb sei es schwierig, Hoffnungen für den Erhalt der Fachlehrer/-innen im bürowirtschaftlichen Bereich zu machen.

Im weiteren Gespräch wird explizit auf den Einsatz von Fachlehrer/-innen in den allgemeinbildenden Schulen ab den Jahrgangsstufen 5 und 6 hinge-wiesen. Hier wäre das Erlernen des Tastschreibens, richtige Textverarbeitung und die Vermittlung der Inhalte aus der Informationsverarbeitung richtig angesiedelt, damit fortan diese Kompetenzen bei der Arbeit in den höheren Klassen genutzt werden könnten.

Auch die frühere Berufsorientierung der Schüler/-innen ab der Jahrgangs-stufe 7 könnte in der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Berufsschulen ein Arbeitsfeld für Fachlehrer/-innen eröffnen.

Der Forderung der Arbeitsgemeinschaft der Koordinatorinnen und Koordinatoren in Mittelhessen nach Höherbesoldung und Weiterqualifizierung der Fachlehrer/-innen wird von den Gesprächspartnern thematisiert. Die Vorstandsmitglieder der HAB machen deutlich, dass sie diese Aktivitäten kennen, sie aber nicht im Fokus der HAB stehen. Der Hessischen Akademie geht es vordringlich um die kontinuierliche Einstellung von Fachlehrer/-innen in den Schuldienst und damit um die Wahrung eines bewährten Lehrertyps, dessen Arbeit den Erhalt der Qualifikationen im Bereich Informationsverarbeitung einschließlich Tastschreiben und Anwendung der korrekten deutschen Sprache sowie der Umsetzung bürowirtschaftlich sinnvoller Abläufe bei Schüler/-innen und Auszubildenden dauerhaft garantiert.

Auf Nachfrage der HAB wird eingeräumt, eine Statistik über die Beschäftigung von Fachlehrer/-innen und den zukünftigen Bedarf an den Schulen zu erstellen, um auf der Grundlage exakter Zahlen zeitnah konkrete Aussagen machen zu können.

Helga Rothenberger und Paul Eisel dankten ausdrücklich Herrn Staatssekretär Dr. Lösel und Herrn MdL Hugo Klein für das zeitliche Engagement und das gezeigte Verständnis für die vorge-tragenen Probleme und Erörterungen.